Eine faszinierende Welt

Mein Regenwald – das ist eine zerklüftete Bergwelt zwischen 1500 und 3500 Metern über dem Meeresspiegel.

Die Landschaft

Je nach Höhenlage bestimmen tropische Bergwälder, Nebelwälder, Bambuswälder sowie Torfwälder und Moore die Landschaft. Immer wieder werden die Wälder von tiefen Schluchten durchschnitten. Überall plätschert, fließt oder tost Wasser die Berghänge hinab in die Täler, wo sich Flüsse bilden. Es gibt zahllose Wasserfälle und Höhlen.

Der Kreislauf des Regens

Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre. Es regnet fast jeden Tag. Einen Teil des Regens macht der Wald sich selbst. Ein einziger Baumriese kann an einem Tag mehrere Tonnen Wasser verdunsten, das gleich an Ort und Stelle wieder als Nebel in der dichten Vegetation hängen bleibt, als Regen zu Boden fällt oder als Wolken vom Wind in die trockenen Anden getragen wird und dort Regen spendet. Der Rest des Regens, der den Urwald von Mein Regenwald mit Wasser versorgt, wird mit dem Wind aus den Tieflandwäldern weiter östlich hergetragen und fällt in den Bergen wieder zu Boden. Die Zerstörung der Tieflandwälder hunderte Kilometer entfernt ist deshalb auch für die besonders artenreichen Bergwälder von Mein Regenwald eine Gefahr.

Besonders in höheren Lagen ist der Boden wie ein Schwamm. Er besteht aus meterdicken Schichten abgestorbener Pflanzen. Er nimmt das Regenwasser auf und in der trockeneren Jahreszeit gibt dieser gigantische Wasserspeicher das saubere Wasser ganz langsam an die Bäche ab. Diese münden in die großen Flüsse Amazoniens, die deshalb auch im Sommer nie austrocknen.

Der Kampf ums Licht

Wasser gibt es im Überfluss, aber Sonnenlicht ist ein Problem für die vielen Pflanzen im Regenwald. Im ewigen Kampf um den besten Platz an der Sonne hat jede Pflanze ihre eigene Strategie. Die Urwaldriesen wachsen langsam, anfangs noch im Schatten anderer Bäume, bis sie selbst das Kronendach erreichen. Andere Baumarten, die so genannten Pioniere, erobern Lichtungen, die am Ufer von Flüssen oder durch den Tod eines Baumriesen entstanden sind. Sie wachsen schnell, um als erste ans Licht zu gelangen, werden dann aber wieder von den langsam wachsenden Riesen eingeholt und verdrängt. Wegen des Lichtmangels am Waldboden leben die meisten kleineren Pflanzen im Bergregenwald epiphytisch, d.h. sie klettern oder ranken sich an den Bäumen nach oben oder lassen ihre Samen über die Ausscheidungen von Vögeln und Affen direkt ganz hoch in die Baumkronen tragen. Dort keimen sie dann und wachsen. So gibt es kaum einen Quadratzentimeter am Stamm oder auf den Ästen der Bäume, der nicht anderen Pflanzen als Standort dient. Unzählige Arten von Lianen, Orchideen, Bromelien, Moosen, Flechten, Farnen, Philodendren, Begonien usw. wachsen auf den Bäumen. Auf einem einzigen Urwaldriesen haben Botaniker in der Region hunderte unterschiedliche Pflanzenarten gezählt.

Wald als Gewebe

Der Vergleich mit einem mitteleuropäischen Wald mit seinen wenigen Baumarten, die auch noch seit Jahrhunderten vom Menschen bewirtschafteten werden, vermittelt keine Vorstellung vom Regenwald in den Bergen Perus. Eigentlich beschreibt das Wort Gewebe am ehesten, wie der Wald hier aussieht. Er ist undurchdringlich. Auf einem einzigen Quadratmeter entdeckt selbst der Laie 10 unterschiedliche Orchideenarten, dazu mehrere Farnarten, Fuchsien und Lianen. Ein Gewirr aus Blättern, Blüten, Ästen, Trieben, Ranken und Wurzeln, an das das Auge sich erst gewöhnen muss. Die kleinste Orchidee wächst auf toten Bäumen und ist gerade einmal drei oder vier Zentimeter groß, die größte steht im sumpfigen Boden am Fluss und misst vom Boden bis zur Blüte drei Meter. Und überall wachsen Bäume, fünf Meter hohe Baumfarne und Palmen, ihre Wurzeln und abgestorbenen, zu Boden gefallenen Äste machen aus jedem Schritt einen Balanceakt.

Internet des Waldes

Versteckt im Boden und in toten Pflanzen sind sie allgegenwärtig: Pilze. Mit ihren mikroskopischen Fäden durchziehen sie den gesamten Wald. In einem Teelöffel Waldboden können sich gleich mehrere Kilometer dieses Pilzgewebes befinden. Viele Bäume haben ein Bündnis mit einer ganz bestimmten Pilzart geschlossen. Der Baum liefert dem Pilz Zuckerlösung, der Pilz gibt dem Baum Nährstoffe und verteidigt ihn gegen Angriffe. Denn es gibt auch Killer unter den Pilzen. Sie suchen nach Schwachstellen im Baum, z.B. ein kleines Loch in der Rinde. Dort dringen sie ein und beginnen sich vom Baum zu ernähren, der dann langsam abstirbt. Alle Bäume des Regenwaldes sind über die Pilzfäden im Boden miteinander verbunden. Über dieses Geflecht tauschen sie Nährstoffe und Informationen aus: Die Pilze sind das JWW – das jungle wide web, ohne das kein Urwald überleben kann.